Die Oberndorfer "Stille-Nacht" Krippe
Es handelt sich hier um eine nach venezianischen Vorbildern gefertigte Kirchenkrippe aus der Biedermeierzeit, die ursprünglich in der Pfarrkirche St. Nikola in Oberndorf an der Salzach aufgestellt war. Vor dieser Krippe soll im Jahr 1818 erstmals das berühmte, von Joseph Mohr bereits zwei Jahre vorher gedichtete und von Franz Gruber komponierte Weihnachtslied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" erklungen sein.
Wegen der dauernden Hochwassergefahr musste die Nikolaus-Kirche zwischen 1906 und 1913 abgetragen werden. Die alte und schon etwas verstaubte Krippe wurde in den Neubau nicht mehr übertragen, sondern den Oberndorfer Schulschwestern zum Geschenk gemacht. In Zeiten finanzieller Nöte verkauften sie die Krippe einem Händler, der sie 1926 wiederum Pfarrer Veichtlbauer weiterverkaufte. Mit seiner Sammlung ist die bedeutende Krippe nach Ried gekommen.
Der heutige, nicht mehr ganz vollständige Figurenbestand der Krippe umfasst neben der Hauptgruppe vor allem die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige und - darauf läßt die große Anzahl der Hohepriester schließen - Teile einer "Beschneidung" oder "Darstellung im Tempel" sowie einer "Hochzeit zu Kana", ausgebildet als Hochzeitszug.
Das biblische Thema ist in die Heimat übertragen: Die Hirten sind in der Bauern- und Schiffertracht der Zeit um 1800 dargestellt, sogar eine Bäuerin mit dem schwarzen Kopftuch ist darunter. Die mehr als hundert menschlichen Figuren haben vorwiegend aus Wachs bossierte Köpfe; Arme und Beine sind aus Holz geschnitzt, die Körper bestehen aus Drahtgerüsten und sind mit bunten Textilien bekleidet. Die Oberndorfer Krippe gehört somit dem Inn-Salzach-Typus der Krippe an.
Die in der Liturgie zeitlich aufeinander folgenden Hirten und Dreikönigsszenen sind gleichzeitig angeordnet. Der Krippenberg ist allerdings nicht mehr original erhalten.
